In E-Commerce, Innovation, Mobile, Payment

Um die Überschrift gleich zu relativieren: Natürlich gab es auch vorher in Deutschland bereits einige Mobile Payment – Lösungen* , z. B.

  • Payback Pay: Android/ iOS, 2016, mit QR Code
  • Postbank Finanzassistent: nur Android, 2017, NFC
  • WireCard Boon: nur Android, 2017, NFC
  • und etliche andere Importlösungen u.a. Boon für Apple Pay aus UK

Keine dieser Lösungen hat aus meiner Sicht besonders großes Potenzial, da sie entweder nicht direkt auf das persönliche Bankkonto buchen, mit dem Kassensystem verbunden werden müssen, eine neue Bankverbindung eingerichtet werden muss (über Postident/ Videoident), Prepaid-Kreditkarten verwendet werden oder auf veralteter Technologie (Host Card Emulation) basieren. Apple-Nutzer sind in Deutschland ohnehin (außer bei Payback) abgehängt, da außer Apple Pay keine anderen Bezahlsysteme auf das iPhone dürfen.

Da ich bei der Allianz das innovative Mobile Payment & Loyalty Produkt „Allianz Prime“ entwickeln und umsetzen durfte (Apple Pay, Android) und dadurch die Tücken des Mobile Payments sehr gut kenne, war ich natürlich sehr gespannt darauf, die Google Pay – Lösung zu testen. Ich habe Glück – ich bin Commerzbank-Kunde. Super, dass die Bank hier mal ein innovatives Zeichen gesetzt hat und mit N26 und Wirecard Launch-Partner in Deutschland geworden ist!

 

Wieso Google Pay – die Benefits

Google Pay hat aus meiner Sicht folgende Vorteile:

  1. Die bestehende Kreditkarte (VISA, Mastercard) kann verwendet werden, wenn die Bank am Programm teilnimmt
  2. Standardisiertes Android Look & Feel mit guter User Experience und Systemintegration
  3. Minimierung von systembedingten Problemen, die in eigenständigen Bezahl-Apps immer wieder bei bestimmten Modellen auftreten  (z.B. Zahlen im Sperrbildschirm, muss die App geöffnet oder kann sie geschlossen sein)
  4. Nutzung im E-Commerce
  5. Verwaltung von diversen Kundenkarten im Google Wallet

Insbesondere den letzten Punkt haben wir in meiner Digital Marketing – Vorlesung behandelt – bisher war das Thema Mobile Loyalty mit Kundenkarten leider nur auf eigene Apps oder Apple Wallet beschränkt. Mit dem integrierten Wallet können nun die Android und iOS Plattform endlich gleichzeitig mit Loyalty-Karten bestückt werden – ein äußerst spannendes Feld!

Den einzigen Nachteil teilt sich Google Pay mit anderen Lösungen auf dem Markt: Es funktioniert leider nur mit einer VISA oder Mastercard Kreditkarte und nicht mit einer auf dem deutschen Markt sehr gebräuchlichen Maestro-Karte (Volksmund: EC-Karte).

 

Die Einrichtung

Gespannt starte ich und lade die Google Pay App herunter. Dann starte ich die Commerzbank App, in der direkt der Link zur Einrichtung erscheint. Ich starte die Einrichtung, Google Pay wird gestartet und baut die Verbindung mit der Bank auf. Noch eine PhotoTAN, dann ist die Einrichtung erledigt. Dauer: max. 2 Minuten. Das macht Hoffnung! Da viele andere Lösungen nicht auf das Konto der eigentlichen Hausbank zugreifen können, dauert hier die Einrichtung wegen der Identifizierungspflichten nach Geldwäschegesetz leider viel länger.

 

Die Nutzung

Aus dem Allianz Prime Projekt kenne ich gut die Vielzahl von Fehlern, die beim Mobile Payment auftreten können. In mühsamer Detektivarbeit mussten im Vorfeld des Starts Tests in verschiedenen Ländern und Einzelhändlern gemacht werden. Also gleich mal los zur nächsten Dorftankstelle. Gespannt warte ich auf die Aufforderung „Bitte Karte einschieben“ und zücke mein Smartphone. Die Kassiererin sieht mich verdutzt an „Was wollen Sie denn damit?“. „Zahlen“ sage ich und halte mein Smartphone auf den Kartenleser. Es piept, ich warte auf die Aufforderung von PIN oder Unterschrift – nicht notwendig! Das kannte ich von anderen Lösungen anders. Das Smartphone zeigt die korrekte Zahlung an und die Kassiererin händigt mir den Beleg aus. Wir sind beide etwas verdutzt aber zufrieden. Man lernt nie aus!

Gleiche Erfahrungen habe ich bei anderen Tankstellen wie Agip und Shell gemacht. Auch bei REWE, im ländlichen Labertaler Bau-Fachmarkt, McDonalds: Funktioniert!

Im Fahrradgeschäft bin ich mir nicht sicher – kein Hinweis auf Kreditkartenakzeptanz. Ich sehe auf mein Handy: Eine Push Notification steht auf dem Display: „Zweirad Stadler akzeptiert G Pay.“ Wow! Klappt!

Enttäuschungen lauern eher dort, wo man es nicht erwarten würde: Bei Jaques Weindepot ist zwar der Leser aktuell, man nimmt aber nur EC-Karte. Das selbe Schicksal ereilt mich beim heimischen Edeka. Und natürlich sind beim Bäcker und beim Metzger nur Bargeld gefragt. **

Online konnte ich Google Pay zwar noch nicht nutzen, ich bin aber schon gespannt!

Wie das Bezahlen grundsätzlich funktioniert, könnt ihr auch hier sehen:

Folgende Best Practices konnte ich identifizieren:
  1. Einfach einrichten: Die Einrichtung von G Pay wurde vom Onlinebanking der Commerzbank angetriggert und war in wenigen Minuten erledigt
  2. Einfacher bezahlen: PIN oder Unterschrift entfallen grundsätzlich auch über €25.
  3. Mehr Klarheit: Das Handy zeigt sofort an, ob die Transaktion geklappt hat, sowie eine Übersicht getätigter Transaktionen.
  4. Einsatz: (Nur in bestimmten Geschäften) wird eine Meldung angezeigt, ob G Pay akzeptiert wird.

Grundsätzlich ist zur Akzeptanz zu sagen, dass G Pay natürlich überall akzeptiert wird, wo konktaktloses Bezahlen mit Kreditkarte möglich ist (Erkennbar an dem „WLAN“-ähnlichen Zeichen auf dem Gerät). Berichte, in denen G Pay nur in bestimmten Stores akzeptiert werden sind schlicht falsch.

Ein erstes Fazit

Google Pay hat – unbemerkt von vielen – einen professionellen Start in Deutschland hingelegt. Die User Experience macht einem Lust auf mehr. Das Problem ist leider immer noch die Akzeptanzseite. Das Problem ist, dass man in Deutschland aktuell leider nicht überall mit Kreditkarte bezahlen kann. Angeblich arbeiten die Sparkassen bereits an einer Lösung – dann aber mit einer eigenen Lösung. Hoffen wir, dass es keine Wiederholung von Paydirekt gibt: Eine Lösung, die viel zu spät kommt und teuer aber weitgehend erfolglos in den Markt gedrückt werden soll.

Auch Apple Pay steht in Deutschland – nun durch Google unter Druck gesetzt – in den Startlöchern für 2018, angeblich auch mit Maestro-Unterstützung. Da sich Apple aber einen wesentlichen Teil des Erlöses aus dem Zahlungsverkehr (0,15% der 0,3% Interchange) als Gebühr von den Banken einverleibt, sind diese bislang verständlicherweise eher zögerlich gewesen. Da die Gebühren für  Maestro noch niedriger sind, müsste entweder Apple die Gebühren senken oder Banken würden nahezu gar nichts mehr am Zahlungsverkehr verdienen.

Ausblick

Es geht ein Ruck durch Deutschland – zumindest beim Mobile Payment. Spannend wird in den nächsten Monaten das Verhalten der Konkurrenten im Tech-Sektor und den Banken sein. Die steigende Nachfrage wird ohne Frage auch den Druck auf die Händler erhöhen, auf modernere Technik umzustellen und auch Kreditkarten als Alternative anzubieten. Kostenmäßig ist das schon lange nicht mehr zu verargumentieren.

Alles in allem deutet sich an, dass Mobile Payment eher ein Zwischenschritt hin zum „No-Payment“ sein wird, wie es z.B. in Amazon Go oder MediamarktSaturn mit seinem Pilotshop in Innsbruck (leider nicht in Ingolstadt…) bereits praktizieren.

 

Die Folgen der Reihe Future of Payment:
  1. Mobile Payment in Deutschland – ein Selbstversuch
  2. Mobile Payment – Vergleich der Technik (folgt)
  3. Mobile Payment – Strategische Optionen für Unternehmen (folgt)
  4. Mobile Payment and beyond – Implikationen für den Handel (folgt)

 

 

* Näheres zur Technik und den verschiedenen Anbietern in einem nächsten Artikel.

** Dem Thema Karten-Akzeptanz gehe ich ebenfalls in einem der nächsten Artikel auf den Grund.

Bildquellen: Beitragbild aus Google Blog

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